Von den Sportlern wurde am letzten Wochenende alles abverlangt, vor allem Hitzetoleranz! Trainer Christian Stoffels war schon zu Beginn der Woche mit dem Bootstransport nach Krefeld gefahren, um einen möglichst günstigen, schattigen Platz direkt am Wasser mit kurzen Wegen zu den Pritschen zu sichern. In Kühltaschen wurde für Nachschub an kalten Getränken gesorgt und die Zeiten auf dem Wasser wurden bei Temperaturen von bis zu 40°C im Schatten auf das notwendige Minimum reduziert. Der Veranstalter hatte in Anlehnung an das neue FISA-System in der Qualifikation am Donnerstag und Freitag Hoffnungsläufe gestrichen. So qualifizierten sich jeweils die zwei Erstplatzierten der Vorläufe für das Halbfinale bzw. das Finale. Alle weiteren Finalplätze wurden über die Zeit besetzt. Am Sonntag ließ man die B-Finale ausfallen. So konnte der Zeitplan an allen Tagen auf die Vormittagsstunden komprimiert werden.
Der Neusser Ruderverein hatte ein kleines aber sehr sehr feines Team für diese Meisterschaften gemeldet. Melina Reinke trat in allen drei Skullbootsklassen der leichten U23-Frauen an, im Einer, Doppelzweier und im Doppelvierer. Dabei ging es auch um die Qualifikation für die U23-WM im Einer oder Doppelzweier. Das erste Rennen war der Doppelzweier. In Ratzeburg hatten Melina mit ihrer Partnerin Charlotte Bergmann vom Limburger ClfW noch gegen Nathalie Sendjuk (RK am Wannsee) und Jette Lisdat (RC Hannover) gewinnen können. Ein Sieg hier auf den Meisterschaften hätte die direkte Qualifikation bedeutet. Konnten Melina und Charlotte in Ratzeburg auf den letzten 500 Metern das Rennen noch für sich entscheiden, so konnten Nathalie und Jette hier in Krefeld ihren Vorsprung behaupten und als erste die Ziellinie überqueren, Silber für Melina. Damit musste Melina im Einer überzeugen, um ihre WM-Teilnahme zu sichern. Hier hatten sich als potentielle WM-Aspirantinnen über die Vorläufe neben Melina noch Nathalie Sendjuk (RKaW), Charlotte Bergmann (Limburger ClfW), Karolin Mersmann (TVK Essen) qualifiziert. Jette Lisdat hatte das Finale nicht erreicht. In diesem Finale dominierte von Beginn an die Berlinerin Nathalie Sendjuk (7:53,55) das Rennen. Melina (7:59,40) konnte aber klar den 2. Platz vor ihrer Zweierpartnerin Charlotte Bergmann (8:02,20) behaupten und sicherte sich damit ihre zweite Silbermedaille. Auf die Nachricht, dass sie für die U23-WM qualifiziert ist, musste Melina noch bis Sonntag Abend warten. In Duisburg wird sie zusammen mit Charlotte Bergmann den Doppelzweier fahren, Nathalie Sendjuk den Einer. Als letztes Finale des Samstags stand dann der Doppelvierer an. Hier konnte das Boot mit den vier Erstplatzier-ten des Einerfinales seiner Favoritenrolle klar gerecht werden. Das ersehnte Gold im dritten Rennen.
Mit Timo Schulz hatte der NRV ein zweites „ganz heißes Eisen“ im Glutofen von Krefeld. Timo hatte über die gesamte Saison hinweg den Einer der leichten B-Junioren dominiert. An dieser Dominanz ließ er auch unter den schweren Bedingungen des letzten Wochenendes keinen Zweifel aufkommen. Sowohl den Vorlauf wie auch das Halbfinale beendete er mit deutlichem Vorsprung und wurde demnach für das Finale auf die Mittelbahn gesetzt. Aber leicht entsetzte Gesichter bei den Unterstützern des NRV, als Timo nach 500m nur auf Rang 4 lag! Sonst war Timo da schon vorne. Aber er kämpfte. An der 1000m-Marke aber leichte Entspannung – eine erste knappe Führung. Im Ziel wurde es dann deutlicher. Mit gut einer Länge Vorsprung (5:31,10) passierte Timo vor Hendrick Matusch (RC Potsdam, 5:33,86) und Simon Schwalm (RV Kurhessen Kassel, 5:35,38) als Erster die Ziellinie. Sein erstes Gold! Im letzten Jahr hatte Timo schon im Doppelzweier auf diese Medaille gehofft. Aber jetzt hatte er sie! Angetrieben von Anna Klein (NRV) an den Steuerseilen hatte Timo in der Renngemeinschaft mit Florian Poets, Jonathan Hollenberg (beide RRG Mülheim) und Finn Lohmeier (RC Witten) im leichten Junior-B-Doppelvierer mit Steuerfrau noch eine weitere Chance auf eine Medaille. Mit Siegen im Vorlauf und Halbfinale gehörten sie auch hier zu den Favoriten. Im Finale legte der Vierer einen Blitzstart hin und setzte sich bis zur 500m-Marke in 1:33,82 mit über einer Länge vom Feld ab. Aber hatten sich die Jungs damit übernommen? Die Vierer der Rgm. Heidelberg/Mannheim und aus Hamburg kamen im weiter Verlauf immer näher heran. Aber hier konnte Anna ihre Mannschaft für die letzten Meter noch einmal motivieren, so dass sich unser Vierer mit etwas mehr als einer halben Länge in 4:51,14 vor der Rgm. Heidelberger RK/Mannheimer Regatta-Verein (4:52,45) und dem ersten Boot des Alster-Club Hamburg (4:52,58) Gold erkämpfte. – Glückwunsch!!
Ebenfalls eine hervorragende Leistung gelang Lukas Kaschubeck im Junior-B-Achter. Über die Saison hinweg war es seiner Renngemeinschaft (ARC Münster, Crefelder RC, Bessel Minden/Neusser RV/Duisburger RV) nicht gelungen, auf den Prüfungsregatten den ersten gesetzten Lauf (vergleichbar mit dem A-Finale) zu erreichen. Mit einem 3. Rang im Vorlauf konnte sich Lukas´ Achter für das A-Finale qualifizieren. Diese ging der Achter mutig an. An der 500m-Marke überraschte der Achter als drittes Boot mitten im Feld. Auf dem zweiten Streckenabschnitt konnten sie nicht ganz den Anschluss halten, fighteten aber bis ins Ziel und belegten keine Länge hinter den Medaillenrängen einen tollen, unerwarteten 5. Rang. Lukas konnte nach dem Rennen auch stolz feststellen: „Das war unser bestes Rennen!“
Trainer Christian Stoffels konnte man nach der Regatta nur noch mit einem Dauerschmunzeln im Gesicht beobachten. Eine richtig erfolgreiche Meisterschaft!!!









